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15.02.2017

Das Fremde als Quelle religiöser Erfahrung

Ökumenischer Studientag der ReligionslehrerInnen

Frankfurt.- Um das Eigene und das Fremde geht es nicht nur am Beginn der Geschichte Gottes mit seinem Volk, es setzt sich fort über das Leben Jesu bis zu uns heute - einer Zeit, in der  Populisten nicht genug gegen "die Anderen" anschreien können. Tatsächlich, so die Referentin Fr. Dr. Theuer, haben wir schon im Alten Testament ein sehr differenziertes Bild wahrzunehmen. Neben sehr markanten Beispielen, an denen das Alte Testament zeigt, wie einer der Stammväter, nämlich Josef und seine Famile, selbst in Ägypten positiv integriert wurden (aus seiner Ehe mit der Tochter des Sonnengott-Priesters gingen mit Mannasse und Ephraim zwei weitere Stammesgründer hervor), lassen sich auch Gegentendenzen nach der Rückkehr der Exiljuden aus der babylonischen Gefangenschaft entdecken. Ihr Wirken, wie es in den Büchern Esra und Nehemia nachzulesen ist, zielt aufgrund der traumatischen Erfahrung von Zerstörung und Verschleppung eher auf Abgrenzung und Ausschluss. Fr. Dr. Theuer zeigte mit ihrer gründlichen exegetischen Expertise, wie solche Tendenzen literarisch immer wieder unterlaufen werden und führte dafür das Buch Rut an. Auch bei Jesus setzt sich diese Bewegung, nämlich die Grenzen auf den Anderen immer wieder zu überschreiten, fort. Dazu untersuchten die Teilnehmer unter Anleitung der Referentin die Begegnung Jesu mit der Syrophönizierin (Mt 15,21). Am Nachmittag wurde die Arbeit fortgesetzt, mit unterschiedlichen Methoden, von Erzählfiguren, Godly Play bis zu Standbildern - widmeten sich die Lehrerinnen und Lehrer unter Anleitung von Fr. Dr. Theuer, Fr. Hofmann-Driesch weiteren biblischen Geschichten. Eine Gruppe folgte Herrn Dinkelaker in das BibelErlebnisMuseum und beschäftigte sich dort mit der Umwelt Jesu - einer unruhigen, gewalttätigen Zeit, in der die Frage nach dem, was Identität ausmacht und wie sie sich in der Auseinandersetzung mit der Geschichte entwickelt besonders virulent war. Sich für das Fremde zu öffnen, sich dabei verändern zu lassen - aber auch, dem Gegenüber Veränderung abzuverlangen: das war schließlich eine Schlüsselfrage für die Zukunft dieser kleinen überschaubaren jüdischen Sekte um ihren Anführer, Rabbi und Wunderheiler Jesus.