Liebe Kolleginnen und Kollegen,
als Religionslehrkräfte leisten Sie einen sehr wertvollen Dienst, indem Sie Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen Zugang zu religiösen und ethischen Fragestellungen sowie Glaubensüberzeugungen und Werthaltungen eröffnen. Im Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern, aber auch im Kollegium werden Sie angesprochen, sowohl was Ihre persönlichen Überzeugungen anbelangt, als auch hinsichtlich der Theorie und Praxis kirchlichen Handelns insgesamt. Gerade letzteres ist, angesichts des vielfältigen Versagens kirchlicher Akteure aber auch der Institution selbst, nicht immer einfach. Danke, dass Sie das auf sich nehmen und hier Rede und Antwort stehen auch für Fragen, die Sie nicht zu verantworten haben, für die Sie aber in Ihrer Rolle angefragt werden!
Wie Sie den Diskussionen der vergangenen Wochen um den Umgang mit der Grundordnung des kirchlichen Dienstes entnommen haben, wird eine Änderung derselben noch im Laufe diesen Jahres angestrebt. Dabei geht es insbesondere darum, dass Fragen der sexuellen Orientierung und des Charakters eingegangener Partnerschaften nicht mehr als Elemente der Loyalitätsobliegenheiten herangezogen werden. Auch wenn dies in der Vergangenheit in unserem Bistum – soweit ich informiert bin – regelmäßig nicht zur Anwendung gekommen ist, gab es jedoch grundsätzlich die Möglichkeit dazu.
Mit dem Schreiben vom 18. Februar 2022 hat der Generalvikar des Bischofs von Limburg, Domkapitular Wolfgang Rösch, entschieden, die entsprechenden Regelungen aus der Grundordnung des kirchlichen Dienstes für das Bistum Limburg nicht anzuwenden. (Download)
Konkret bedeutet dies, dass Fragen der sexuellen Orientierung und der Gestaltung von Partnerschaften weder bei jenen, die bereits eine Missio erteilt bekommen haben, noch bei jenen, die künftig eine solche erhalten wollen, von Belang sind. Vielmehr geht es künftig allein um die persönliche Identifikation mit dem kirchlichen Auftrag.
Mir ist bewußt, dass diese Fragen in der Vergangenheit zu Verunsicherungen und Verletzungen geführt haben. Nicht zuletzt die Initiative #Outinchurch hat das eindrücklich vor Augen geführt. Hier ist Kirche an ihren Mitarbeiter*innen manches schuldig geblieben und selbst auch schuldig geworden.
Wo dies der Fall war, bitte ich die Betroffenen ausdrücklich um Entschuldigung. Bei Bedarf stehen die Kolleginnen und Kollegen in den Religionspädgogischen Ämtern und auch ich selbst gerne zum Gespräch zur Verfügung.
Wir alle spüren, dass unsere Kirche dringend der Veränderung bedarf. Der Synodale Weg in Deutschland ebenso wie der beginnende Synodale Weg auf weltkirchlicher Ebene sind für mich Zeichen dafür, dass diese Veränderung begonnen hat. Ich bin aber auch dankbar, dass wir hier in unserer Diözese bereits erste praktische Schritte gehen können, die sich als Schritte auf diesem Weg verstehen.
Letztlich geht es darum, dass wir jungen Menschen etwas von dem, was wir für uns als wertvoll erfahren haben, weitergeben. Was sie daraus machen, werden sie selbst frei zu entscheiden haben.
Danke für Ihren Beitrag dazu!
Mit freundlichem Gruß,
Ihr
Ralf Stammberger
Dezernent des Dezernats "Schule und Bildung"